«Auf zum Zehndi!» ist das Ausflugsmotto vieler Naturfreund:innen der Stadt Bern und Umgebung. Das Zehendermätteli, idyllisch auf der Enghalbinsel in der Aareschlaufe gelegen, ist ein beliebtes Ausflugsziel mit Restaurant. Um eine ganzjährige Erschliessung zu dem Erholungsraum sicherzustellen, soll ein Aaresteg als Ersatz für den bestehenden Fährbetrieb realisiert werden.
Dem Wettbewerbsprojekt La linea des Teams LÜCHINGER MEYER PARTNER, :mlzd und Uniola wurde der 4. Rang zugesprochen. «Der Entwurf besticht durch seine unkonventionelle Linienführung, sorgfältige Gestaltung und folgerichtige Materialisierung.» urteilte die Jury. Gezielt suchen die Verfassenden nach einem unauffälligen Erscheinungsbild, welches das Naturerlebnis möglichst wenig beeinträchtigt. Mit der gewählten Spannbandkonstruktion erinnert die minimalistische Form des Steges – einer Liane gleich – an ein leicht durchhängendes Seil, das zwei Punkte über den Fluss verbindet. Die gestische Hinwendung des Spannbandes zum Wasser vermag das Naturerleben an diesem Ort noch zu steigern.
Das Tragwerk besteht im Wesentlichen aus zwei Spannbändern, die in den seitlich des Flusses angeordneten Widerlagern verankert sind. Die Spannbänder werden aus hochfesten Stahlblechen mit einer Dicke von 30 mm hergestellt. Sie wirken wie ein zwischen den beiden Flussufern gespanntes Seil und sind im Wesentlichen auf Zug beansprucht.
Da keine Biegebeanspruchungen auftreten und der Stahl eine hohe Festigkeit aufweist, konnten die Bauteilabmessungen auf ein Minimum reduziert werden, wodurch eine besonders schlanke, leichte und transparente Tragstruktur entsteht. Um die Spannweite auf 62 m zu beschränken, befindet sich das Widerlager auf der Seite Zehendermätteli in der Nähe des Flussbettes. Der Topografie Rechnung tragend, hat das Spannband eine asymmetrische Parabelform. Diese weist eine statische Höhe f von 0.76 m und eine Schlankheit L/f von 81 auf.
Auf den Stahlbändern sind Betonfertigteile angeordnet, die die Gehwegebene bilden. Zwecks Witterungs- und Korrosionsschutz des Stahls sind die Fugen zwischen den Fertigteilen mit Mörtel verfüllt und ist die gesamte Oberfläche der Fussgängerbrücke mit einer Bitumenbahn abgedichtet. Betonfertigteile und Widerlager werden aus Kalkbeton C30/37 und mit gestockten Oberflächen ausgeführt, wodurch sich der Steg zwar klar als Bauwerk und Eingriff zu erkennen gibt, zugleich aber mit der Farbigkeit der Schwemminseln und Uferbereiche korrespondiert.
Interessierte können die eingereichten Wettbewerbsprojekte anlässlich einer öffentlichen Ausstellung im Generationenhaus Bern am Freitag, 27. März 2026 von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr und am Montag, 30. März 2026 von 08:00 Uhr bis 17:00 Uhr besuchen.
Visualisierungen: echt3D