Lapis

Im Quartier Ausserholligen im Westen von Bern soll ein ökologisch vorbildlicher Wohnungsneubau entstehen. Der Wettbewerb Entwicklung Freiburgstrasse 139E stiess auf sehr grosses Interesse in Planerkreisen – beachtliche 69 Projekteingaben konkurrierten um die Ränge. Insbesondere vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr über den im Team mit Stiller Projects erreichten 3. Rang im Verfahren.
Der Entwurf Lapis sieht einen Baukörper vor, der aus zwei ineinander verschränkten rechtwinkligen Gebäudeteilen geformt wurde. Eine grosse Vielfalt an Wohnungstypen auf jedem Geschoss unterstreicht das angestrebte hohe Mass an sozialer Durchmischung. «Es gelingt den Verfassenden des Projekts Lapis, aus der konstruktiven Logik von Stein und Holz attraktive Grundrisse zu entwickeln, dem Gebäude einen eigenständigen Ausdruck zu geben und dem Ort eine positive Identität zu verleihen.»
Das von LÜCHINGER MEYER PARTNER entwickelte Tragwerkskonzept des Gebäudes baut hauptsächlich auf einem strengen Grundraster auf, welcher zum einen angemessene Nutzungsflexibilität ermöglicht , zum anderen Basis für eine Systembauweise mit möglichst hohem Mass an Standardisierung bildet. Die Natursteinfassade übernimmt zugleich die statische Funktion des vertikalen und horizontalen Lastabtrags. Bei Bedarf können die aussteifenden Wände lokal mit Kabeln vorgespannt werden, sodass der Stein überwiegend auf Druck beansprucht wird – einer Belastungsart, die den materialtypischen Eigenschaften von Naturstein optimal entspricht.

Ab der Decke über dem Erdgeschoss werden die Geschossdecken mit nachhaltigen Holzkastenelementen ausgeführt. Diese Elemente spannen jeweils zwischen einem zentralen Hauptträger und den tragenden Fassadenwänden. Durch die resultierende Spannweite von weniger als 5 m lassen sich sowohl die Konstruktionshöhe als auch der Materialeinsatz reduzieren. Zusätzlich werden die Träger in das Deckensystem integriert, wodurch die Gesamthöhe des Decken-Träger-Systems nochmals verringert wird. Die Innenstützen aus Naturstein, bewehrt mit vier Stäben, leiten die Lasten des zentralen Mittelträgers effizient in das Untergeschoss ab.
«Die Verfassenden haben sich intensiv mit den Eigenschaften von Naturstein auseinandergesetzt und heben die grundlegende Nachhaltigkeit dieser Konstruktionsart plausibel hervor – ressourcenschonend, langlebig und unterhaltsam.» urteilt die Jury.

Vom 30. Januar bis am 7. Februar 2026 können alle Projekteingaben im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung im Beer-Haus besichtigt werden.

Visualisierungen: Nora Walter