Kongresszentrum Vilnius – Gebäude als Landschaft

Litauens Hauptstadt Vilnius will sich zu einem führenden Zentrum für internationale Konferenzen und Veranstaltungen in der mittel- und osteuropäischen Region entwickeln. Mit einem neuen Kongresszentrum am Ufer des Flusses Neris soll ein wichtiger Grundstein dafür gelegt werden. Gemeinsam mit dem polnischen Architekturbüro WXCA gelingt unseren Tragwerksteams aus Madrid und Zürich ein bemerkenswerter 10. Rang in dem internationalen Wettbewerb.
«Das Gebäude bildet eine begehbare Topografie aus Terrassen, Rampen, Gärten und barrierefreien Dachlandschaften. Anstatt als geschlossenes architektonisches Objekt zu erscheinen, wird das Kongresszentrum zu einer Erweiterung der Uferpromenade und des öffentlichen Raums der Stadt. Diese architektonische Landschaft lädt Einwohner, Besucher und Kongressteilnehmer dazu ein, das Gelände zu erkunden, und schafft so eine dynamische Plattform für das alltägliche Stadtleben und internationale Veranstaltungen.»
Die Tragwerksplanenden von LÜCHINGER MEYER PARTNER schlagen ein hybrides Tragsystem vor. Sowohl aus statischer als auch aus funktionaler Sicht gliedert sich das Gebäude in zwei primäre, synergetisch wirkende Komponenten: Das Herzstück des Gebäudes, in dem sich die Kongresssäle und die vertikale Erschliessung befinden, besteht hauptsächlich aus emissionsarmem Stahlbeton in Kombination mit Stahl und Holz. Dieser „schwere Kern“ verleiht dem Gebäude Stabilität gegenüber horizontalen Belastungen wie Wind und Erdbeben.

Zur Realisierung der weitläufigen, stützenfreien Kongresshallen werden entlang der inneren Querachsen alle 20 m weitgespannte Stahlfachwerksysteme angeordnet. Die Spannweiten von ca. 44 m werden effizient ausgelegt, indem die gesamte Bauhöhe der Halle von ca. 10 m genutzt wird. Zwischen den Fachwerken spannen Holz-Beton-Verbunddecken.
Den Kern umgibt und krönt ein nachhaltiges, vorgefertigtes und relativ leichtes modulares Skelettsystem, das hauptsächlich aus Holz besteht, partiell ergänzt mit Betonbauteilen. Die Hauptträger erstrecken sich in Längsrichtung entlang des Gebäudes, während die als Holz-Beton-Verbundmodule realisierten Deckenplatten die Lasten einachsig übertragen. Die Verbindung zwischen den Holzrippen und der Recyclingbetonschicht der Deckenelemente erfolgt mittels eines innovativen mechanischen Systems, das eine einfache Trennung und Demontage der verschiedenen Materialien gemäß den Prinzipien des „Design for Disassembly“ (DfD) ermöglicht. Auch die Querverbindungen zwischen den Modulen sind mechanisch so ausgelegt, dass sie einen Membraneffekt innerhalb der Deckenebene auslösen. Dies gewährleistet die statische Kontinuität mit den horizontalen Aussteifungselementen und ermöglicht gleichzeitig eine unkomplizierte Demontage sowie eine mögliche Wiederverwendung der Module.

Visualisierungen: WXCA