Die Orny-Hütte, 1877 als kleine Schutzhütte aus Stein für 10 Personen eingeweiht und ab 1977 in ihren heutigen Zustand mit 89 Beherbergungsplätzen versetzt, soll vollständig saniert und erweitert werden, um dem steigenden Besucheraufkommen besser gerecht zu werden. Aufgrund ihrer Lage in einem Zentrum des Kletterns und Bergsteigens und der guten Erreichbarkeit ist sie ein sehr populärer Anziehungspunkt für alpine Sportler, Familien und Wanderer.
Das im Wettbewerb zweitrangierte Projekt Atlas, das von Madeleine architectes und LÜCHINGER MEYER PARTNER erarbeitet wurde, behält die historische Lage der Hütte auf dem Felssockel bei. Die charakteristische dreieckige Silhouette wird erhalten und durch die Aufstockung des Holzbaukörpers mittels Einschub eines Zwischengeschosses über den Steinsockel hinaus verstärkt. Die bestehende Holzstruktur, die als intakt befunden wurde, bleibt erhalten. Der Eingriff schafft kein zusätzliches Objekt, sondern folgt einer Logik der maßvollen, wirtschaftlich sinnvollen und den Bestand respektierenden Umgestaltung. Folgerichtig erkennt die Jury in dem Projekt «ein starkes Symbol, das von einer eigenständigen und auf den ersten Blick erkennbaren architektonischen Identität getragen wird.»
Das von der Jury ausdrücklich gewürdigte statische Konzept legt den Schwerpunkt auf einfache Umbaubarkeit und Montage. Das zusätzliche Stockwerk fügt sich in ein einfaches, an die alpine Umgebung angepasstes Konstruktionssystem ein. Zum Anheben der bestehenden Dachgeschosse werden manuelle Hebeböcke verwendet, die direkt an den Hauptträgern platziert werden. Die neuen tragenden Elemente – Balken und Pfeiler aus Holz oder Stahl – sind für die manuelle Handhabung und den Transport per Hubschrauber dimensioniert, wobei die Montage aufgrund der baulichen Gegebenheiten vor Ort überwiegend manuell erfolgt.
Die auf dem Felsvorsprung errichtete Lawinenwand schützt das Gebäude und die sensiblen Infrastrukturen. Ihre Bugform optimiert ihre Wirksamkeit, während bei ihrer Errichtung Materialien aus dem Rückbau wiederverwendet werden.
Visualisierungen: Madeleine architectes